Donnerstag, 26. Juli 2012

[Kunst-Ausstellungen] Die Mathildenhöhe in Darmstadt

Der Geist längst vergangener Zeit (I)

Jugendstilarchitektur als städtebauliches Ensemble findet sich in Deutschland - auch angesichts der Zerstörungen und raschen Wiederaufbauten nach dem Zweiten Weltkrieg - heute original oder teils restauriert nur an wenigen Orten. Die Mathildenhöhe in Darmstadt bietet - gerade als Ausflugsziel in den Sommermonaten - nahezu ideale Bedingungen den Beginn des vergangenen Jahrhunderts nicht nur im Geiste aufleben zu lassen.

Die Anreise über den Darmstädter Ostbahnhof hat, im Gegensatz zur Fahrt über den Hauptbahnhof - den Vorteil, wenige hundert Meter vorbei an der Rosenhöhe bis zum Eingang hinter dem Museum gelangen. Der bis ins Jahr 1810 rückdatierende Landschaftspark Rosenhöhe lädt mit Mausolen der ehemaligen Großherzoglichen Familie, einem Rosarium mit Rosendom und Teilen der Neuen Künstlerkolonie bei schönem Wetter bereits auf dem Hin- oder auf dem Rückweg zum Verweilen und Aufschauen ein. Zumindest den Eingang in Sichtachse zur Mathildenhöhe sollte der Besucher sich nicht entgehen lassen. Das ursprünglich anlässlich der vierten Ausstellung der Künstlerkolonie 1914 gestaltete Löwentor mit Plastiken und Nachbildungen von Reliefen Bernhard Hoetgers basiert heute - im Gegensatz zur ursprünglichen Aufstellung auf ionischen Doppelsäulen - auf von Albin Müller entworfenen Klinkerpfeilern, die dem Gesamteindruck einen im Sinne von Einfachheit und Schlichtheit noch modernen Charakter als ursprünglich verleihen.

Auf dem Weg Richtung Mathildenhöhe tritt als erstes Highlight die Russische Kapelle in die Blickachse des Besuchers. Im historistischen Gewand russisch-orthodoxer Kirchen des 16. Jhs. 1897 bis 1899 von dem Peterburger Architekten Léon N. Benois im Auftrag Zar Nikolaus II. von Russland errichtet, thront sie stolz inmitten der Jugendstilarchitektur und wirkt zugleich als Schmuckstück und irritierender Fremdkörper. Die Kirche ist bis heute in gottesdienstlichem Gebrauch und so ist eine Innenbesichtigung leider nicht möglich.

Vor der Kapelle kann der Besucher jedoch das in 1914 nach einem Entwurf von Albin Müller, dem künstlerischen Leiter der letzten Ausstellung der Künstlerkolonie, gestaltete, sog. Lilienbecken bestaunen. Die wartungsintensive Anlage mit weitläufigen, unterirdischen technischen Einheiten bis in den Platanenhain hinein ist mit einem von der Russischen Kapelle in Richtung Innenstadt langestreckten Bassin mit farbigen Keramikfliesen, die in stilisierter Blütenform angeordnet sind, ausgestattet. Am Kopfende eine Säulenkolonnade, die Brüstungsmauern mit Blumengirlanden-Reliefs verziert, bildet das Becken förmlich einen optischen Halt - nicht nur gegen die abfallende Anhöhe, sondern auch zu der andersartigen Formgebung des Baukörpers wie der Bemalung und Dekoration der Russischen Kapelle.

Teil 2 demnächst

Weitere Infos zur Mathildenhöhe finden sich auf der Website des Instituts Mathildenhöhe.

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