Montag, 17. September 2012

[Kunst-Ausstellungen] Die Blüten des Kunstgeschäfts

Zehn Minuten-Realtime: Klimt in der "Kuss"-Package

Blüten, die der Kunstmarkt treibt sind allerorten. Diskutiert werden hohe und höherschnellende Preise, die dem allgemeinen Wirtschaftsgeschehen - traditionell und statistisch nachweislich - entgegenlaufen, philosophiert wird über den "Wert" (oder Nichtwert) von Kunst und verachtet (oder beneidet?) die Investitionsgier so manchen Sammlers. Wo wird der Kunstmarkt uns noch hintreiben *stöhnächzjammer*?

Wie Cathrin Kahlweit in der Printausgabe der Süddeutschen vom 14. September 2012 auf Seite Drei unter dem Titel "Goldrausch" kurzweilig berichtet, treibt in Wien der Gustav Klimt-Hype um den vor 150 Jahren nahe der Stadt geborenen Künstler der Wiener Secession im Jubiläumsjahr ganz besonderen Höhepunkten zu. Klimt allover. Neben sinnigen Mitbringseln wie Klimt-Marmelade und Klimt-Toilettendeckeln - man muss es einfach mögen -, geistige Anregung, wie das Klimt-Musical und technische Herausforderungen, wie "Der Kuss"-E-Cards.

Eine Hotelkette zeigt allerdings, dass sich nicht nur "Berliner Luft" in Dosen vermarkten lässt, nein, auch Gustav Klimt... Und entfernt erinnert das Angebot vielleicht an 4'33'' von John Cage. Denn in einem "Der Kuss"-Arrangement wird neben Übernachtung, Frühstück, einem Glas Gold Sekt und einer Eintrittskarte ins Belvedere u.a. ein exklusives 10 Minuten-Verweilen vor "Der Kuß" zum Kauf angeboten.

Leider sind der Website des Hotels keine näheren Details zu entnehmen. Ob die VIP-Dosis Klimt also mit einem Museumswächteraufgebot verabreicht wird, das unter Blitzlichtgewitter die Massen vom Gemälde abdrängt, während der Hoteltourist andächtig den Erläuterung des Kus(s)tos lauscht oder sich in den Armen des/der Liebsten kuss-chelt? Oder handelt es sich um ein Frühstück (Schaumkuss auf Klimt-Bagel) - angesichts der Zeitnot als "Klimt to go"? Vielleicht ein Nacht-Einlass ins Belvedere - also quasi eine österreichische Küssnacht - bei Kerzenschein (aus der Klimtschen Hofmanufaktur, versteht sich) inklusive organic Blüten aus Klimts ehemaligem Schrebergarten, mit güldenen Harfenklängen, Couscous und Custard ?

Tja, wer weiß. Aber auch über das Klimtjahr hinaus heißt es wahrscheinlich: Eine Dosis Klimt, mit Kuss und Blüten, bitte! Gegen Entgelt, aber immerhin rezeptfrei - und auf jeden Fall gekonntes Wiener Kuss-tomizing :)

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