Mittwoch, 10. Oktober 2012

[Gedanken zwischendurch] Buchmesse am Mittwoch 2012

"Bekannte kommen und vergehen, Freunde nicht. Bücher, die wir zu unsern Freunden machen, werden uns nie zum E[c]kel. Sie nützen sich durch den Gebrauch nicht ab; sie reproduciren sich immer von Neuem, wie das Leben; ihr Genuß ist unerschöpflich."[1]
(Ludwig Feuerbach)

Über Halle 1 hinaus kommt nur wer nach oben strebt - übers Laufband, unten Exit. Hot Spots "Digital Innovation", "Education" - aber "Kids & eReading"? Sind Social Media, Crowdfunding, Twitter denn für Erwachsene geeignet? Das "Kunstbuch" ist vielschichtig; hier lustige, bunte Tierzeichnungen, um die Ecke Nackte-Frauen-Bücher. Beim Taschen-Verlag von Klimt-schwelgendem Hintergrund mit schweren Prachtexemplaren niedergestreckt. Klitzekleine Verlage in winzigen Parzellen - Kredit für die Standgebühr aufgenommen? Dazwischen drängen Security, Bodyguards, Polizei um Arnie. "Es wurden viele Fehler gemacht" - hm, stand wohl manchmal neben sich... Mancherorts hat der Supermarkt 24/7, die Buchmesse schließt um 18:30 Uhr - Content geht eben mit der Zeit... Kontrollierter Zugang im Pressebereich-Vakuum. Um 17:30 das Gefühl, an den meisten Ständen könne ein Gespräch nur mit mindestens x-stelligem Abnahmeangebot beginnen - also: psst, bitte nicht ansprechen. Nur Gutenberg druckt, druckt und druckt - 6 Standard-Exlibris, 4 Euro. Reden werden gehalten, gefeiert - mit Weißwein, preisgünstigem Knabbergebäck aus der Kunststoffbox und grau-grünen Pasten bestrichenen Self-Made-Schnittchen, Geruch von abgestandenem Bier. Ab 18:00 beginnt die Besucherflucht, Exodus-Stimmung, ist da nicht das Geräusch eines Besens? Die Transferbusse überfüllt, im Strom an den Ausgang gespült.

Bücher? Neue Freunde heute nicht gefunden, mal im Internet stöbern.



[1] Feuerbach, Ludwig. Abälard und Heloise oder der Schriftsteller und der Mensch. Eine Reihe humoristisch-philosophischer Aphorismen. Ansbach: Carl Brügel, 1834, S. 1.

Kommentare:

  1. Siehst Du, da ist er wieder, der inszenierte PR-Event… ;)

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  2. Na, jetzt aber - das ist formvollendete High-End-PR... Es handelt sich hier nach Jörg Scheller schließlich um eine Art mythologischer Figur... So schön kann das kaum einer.

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