Freitag, 5. Oktober 2012

[Kunst-Ausstellungen] Raffael. Zeichnungen im Städel Museum in Frankfurt am Main

Ein Museum fordert seine Besucher (heraus)

In dem von mir genutzten Browser sichtbar, aber - vielleicht durch das flatternde Fledermaus-Gimmick der "Schwarzen Romantik" beeinträchtigt? - nicht anwählbar, findet sich mittig auf der Website des Städel Museums die Ankündigung zur Ausstellung Raffael. Zeichnungen, die am 7. November 2012 eröffnet werden wird. Hinter einem Klick in der Menuleiste kann ich eine Vorschauseite öffnen, rechts erscheint ein Hinweis "Raffael entdecken. Meisterzeichnungen unter der Lupe". Darunter kommt der erste Teil einer Online-Serie "Einstimmung auf die Ausstellung in fünf Episoden" zum Vorschein. Ein Pilotprojekt sozusagen, denn Besucher in spe sollen bereits mehrere Wochen vor Ausstellungsbeginn mit Hintergrundinformationen auf Raffael und seine hervorragenden Zeichnungen, die hier nicht nur aus der hauseigenen Sammlung, sondern aus aller Welt stammen, eingestimmt werden.

Ohne auf die Marketingstrategie der Vor-Ankündigungen einzugehen: Das Angebot scheint sich an den bildungswilligen, kunstinteressierten Laien zu richten. Bildung zu vermitteln ist sicher keine einfache Angelegenheit, aber die erste Episode "Wer war eigentlich Raffael?" hinterlässt leider - vor allem zu Textbeginn - einen blassen Eindruck. Der Leser lässt sich hier eben nicht gerade in einem VHS-Kurs weiterbilden oder von einem Vortrag berieseln, sondern hält sich zum Zeitpunkt des Episoden-Konsums im - zwar nicht allwissenden, aber recherchierbaren - Internet auf. Das "eigentlich" in der Überschrift einmal beiseite gelassen, werden Allgemeinplätze ("Raffael ist einer der berühmtesten Künstler aller Zeiten.", "Bilderbuchkarriere", "Höchstpreise auf dem Kunstmarkt") mitsamt der berühmten Engelchen abgearbeitet, Unklarheiten ("Ein reiches, aber kurzes Leben" - monetär reich oder reich an Schaffenskraft / hinterließ ein großes / kunsthistorisch wichtiges Oeuvre? , Was ist ein "Renaissancemeister", wie sind "Grenzerweiterungen" hier zu verstehen?) zu Stolperfallen und Auslassungen (z.B. sein Wirken als Architekt und Bauleiter, u.a. des Petersdoms in Rom - sorry, aber soviel Platz muss sein...) tragen zu einem unstimmigen Gesamteindruck bei.

Es bleibt abzuwarten, was die nächste Episode bietet, ob die Vorabinformationen die Besucher - wenn sie diese denn entdecken - zu einem "besonders intensiven Ausstellungserlebnis" führen, oder im Nachhinein zu einem schlechten Gewissen, weil sie nicht alles Angebotene inhalliert haben. Vielleicht hat sich der versierte Ausstellungsgänger aber da auch bereits anderweitig informiert.

"Raffael. Zeichnungen" im Städel Museum in Frankfurt am Main. Vom 7. November 2012 bis 3. Februar 2013.

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