Samstag, 23. Februar 2013

[Kunst-Ausstellung] Sammelfieber. Von den Dingen und ihrer Geschichte im kinder museum frankfurt

Wunderkammer, Schlümpfe und aufgespießte Schmetterlinge 

Eichhörnchen sammeln Nüsse, Vögel sammeln Zweige und Halme für ihr Nest, Menschen sammeln Bibi-Blocksberg-Kassetten, Teddybären und Überraschungseier. Irgendetwas stimmt da nicht :) Da grassiert ein Virus, es muss das Fieber sein. Wenn Sie also nicht infiziert werden wollen, meiden Sie das kinder museum. Denn dort ist das Sammelfieber bereits ausgebrochen. Aber vielleicht sind Sie ja bereits angesteckt?

Thema der neuen Ausstellung im kinder museum frankfurt ist das Sammeln. Multimediale Stationen, historische und naturwissenschaftliche Objekte und Werkstationen begleiten den Besucher auf dem Weg durch die 6 interaktiven Ausstellungsbereiche und ermöglichen mit 30 verschiedenen Sammlungen einen Einblick in die Welt des Sammelns, von Ordnen, Forschen, (Auf-)Bewahren und Präsentieren. Alle diese Tätigkeiten bilden sowohl per se die Basis der Arbeit von Museen, Bibliotheken und Archiven, finden sich aber ebenso im privaten Bereich, bei Kindern und Erwachsenen, bis hin zum professionellen Sammler.

I just think of things as beautiful or not. Can't you understand? I don't think of good or bad. Just of beautiful or ugly. I think a lot of nice things are ugly and a lot of nasty things are beautiful.” (John Fowles, The Collector)

Im Kindesalter ist die Sammelleidenschaft häufig am ausgeprägtesten, oft ist auch der materielle Wert nicht entscheidend. Indem sie in möglichst großer Vielfalt gesammelt, katalogisiert und aufbewahrt werden, werden die Erinnerungsstücke in der Sammlung zu Vergewisserungsräumen. Motivation und Zweck des Sammelns kann verschiedene Gründe haben; seltenes und schwer Erhältliches zu besitzen und sich über die Eroberung zu freuen zählen sicher dazu.

Im Kernbereich der Ausstellung ist die Wunderkammer des Dänen Ole Worm nachempfunden, in der es vieles zu entdecken gibt. Museumshistorisch stellten Wunderkammern ab dem 16. Jahrhundert in Europa frühe Sammlungskonzepte dar, die die Welt in einem Raum abbilden wollten. In die klassischen Kategorien Naturalia, Scientifica, Artificialia, Antiquitas und Exotica eingeteilt, enthielten sie nicht nur Kunstgegenstände im heutigen Sinn, sondern beispielsweise auch Mineralien, Globen oder Skelette. Später wurden die Wunderkammern von spezialisierten Sammlungen, die wir schließlich heute als Museen bezeichnen, abgelöst. Stellvertretend hierfür steht die im kinder museum ausgestellte, umfangreiche Tassensammlung mit teils ungewöhnlichen Motiven und Formen. 

Wie immer bietet das kinder museum viel Raum zum Mitmachen. Der Besucher kann eine eigene virtuelle Sammlung erstellen, sortieren und bearbeiten; eine Hosentaschensammlung und Weinbergschneckengehäuse bieten entsprechende Anregungen. Historische Ausstellungsstücke können entschlüsselt werden - Bohnenschnippler und Lockenschere erinnern an (Ur-)Großmutters Zeiten. Ein Raum widmet sich der Rekonstruktion, Restaurierung und Aufbewahrungsmöglichkeiten von Kunstgegenständen. Darüber hinaus wächst ein von den Besuchern zu bestückender, interaktiver Textiler Garten und im Eingangsbereich warten 10 Vitrinen auf wechselweise Bestückung durch Sammler. Erste Objekte, wie Radiergummis und eine Barbiesammlung haben hier bereits ihren Platz gefunden. 

Ob Alben für Sammelbildchen, Schlümpfe, eingelegte Insekten, Fußballtrikots, Steifftiere oder Hotelseifen - von witzig-skuril bis leise finden sich hier phantasievolle Wiedererkennungseffekte und Anknüpfungspunkte für jedermann.

Eine liebevoll gestaltete Ausstellung - nicht nur für Kinder :) Zur Eröffnung von Sammelfieber am 24. Februar 2913 um 14:30 Uhr, lädt das kinder museum frankfurt alle Interessierten ein. Wer einen grünen Gegenstand - nicht größer als ein Apfel - mitbringt, kann sich am Entstehen einer temporären Sammlung beteiligen.

Sammelfieber. Von den Dingen und ihrer Geschichte im kinder museum frankfurt. Idee und Konzeption: Martina Dehlinger, Susanne Gesser, Marie-Luise Schultz. Von 24. Februar 2013 bis 5. September 2014.

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